13 Februar, 2015

SAS SK 1755: Gefälschte Sensation

Unsere Medien wurden schon vielmals von unabhängigen Journalisten, maßgebenden Bloggern und Wahrheitssuchern der Lüge überführt. Und nun wurde eine weitere Lüge aufgedeckt. Diesmal geht es um den Zwischenfall mit dem schwedischen Passagier-Jet SAS SK 1755.
SAS Scandinavian Airlines

Sie können sich bestimmt an den am 12. Dezember 2014 in internationalen Luftraum südlich von Schweden passierten Zwischenfall erinnern, der weltweit Aufsehen erregt hat. Unsere „Qualitätsmedien“ berichteten damals, dass ein russisches Militärflugzeug dem Passagierflugzeug SAS SK 1755 auf dem Weg von Kopenhagen nach Poznan gefährlich nahe gekommen war. Kein Journalist fand es für nötig, die Sache zu recherchieren. Wozu? Es ist doch ohne weiteres klar, dass die bösen Russen daran schuld sind. Was ist in Wirklichkeit passiert?
Am 12. Dezember befanden sich noch zwei Flugzeuge im angegebenen Luftraum:
- Flugzeug SAS SK 752 auf dem Weg von Warschau nach Kopenhagen, was die Aufnahme des Gesprächs zwischen dem Fluglotsen und Piloten bestätigt:



- NATO-Flugzeug RC 135, das ohne Transponder flog und an den Manövern der NATO-Luftflotte beteiligt war.
Die beiden Flugzeuge hätten an mögliche Kollision auch schuld sein können. Doch hat keiner darauf hingewiesen. (Wieso wurde „Lügenpresse“ als Unwort des Jahres gewählt?)
Das Interessanteste ist aber in dieser Geschichte, dass die vom ukrainischen Milliardär Igor Kolomojskij kontrollierte Offshore-Finanzgesellschaft Manswell Enterprises (Zypern) 66,7% Aktien der dänischen Fluggesellschaft Cimber Sterling bis 8. Dezember 2014 besitzt hatte.

Ukrainischer Milliardär Igor Kolomojskij

Cimber Air ist pleite

Obwohl SAS Scandinavian Airlines Cimber Sterling übernommen hatte, werden die Top-Manager der ehemaligen dänischen Fluggesellschaft von dem ukrainischen Oligarchen immer noch beeinflusst. Eben deswegen wurde der Zwischenfall im günstigen für Igor Kolomojskij und westliche PolitikerInnen Licht dargestellt.


Flight SK 1755: who needs false sensation?

1 Kommentar:

  1. Ausgabe vom 08.07.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit
    Die Blase platzt
    In der Ukraine läuft ein Finanzkrimi um die Sanierung der im Dezember nationalisierten »Privatbank« von Igor Kolomojski
    Von Reinhard Lauterbach
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    Firmenschild auf einem Loch ohne Boden: Die Privatbank in Kiew
    Foto: Valentyn Ogirenko/REUTERS

    Als im vergangenen Dezember die ukrainische Regierung die größte Geschäftsbank des Landes nationalisierte, schien deren Besitzer Igor Kolomojskij das Geschäft seines Lebens gemacht zu haben. Der Staat übernahm eine Bank, aus der Kolomojskij und sein Geschäftspartner Gennadij Bogoljubow noch auf den letzten Drücker umgerechnet fünf Milliarden Euro herausgezogen hatten, in Form von Krediten an Scheinfirmen. Diese pro forma von Bekannten der beiden Eigner betriebenen Unternehmen besaßen in der Ukraine wenig mehr als Briefkästen in Charkiwer Wohnblocks, betrieben ihre Geschäfte aber in ausländischen Steuerparadiesen, darunter dem EU-Staat Zypern. Niemand in der Ukraine rechnete auch damals schon damit, dass diese Kredite jemals zurückgezahlt würden – Kolomojskij hatte schlicht die Einlagen der rund 20 Millionen Privatkunden der »Privatbank«, die ja bilanztechnisch Schulden des Geldhauses gegenüber seinen Kunden sind, gestohlen.

    Kolomojskij und Bogoljubow unterschrieben als Gegenleistung dafür, dass der staatliche Einlagensicherungsfonds die Kleinsparer entschädigte, womit er zugleich ein innenpolitisches Risiko für Präsident Petro Poroschenko entschärfte, eine Verpflichtung, bis zum 1. Juli dieses Jahres die Schulden der Kreditnehmer – jener Briefkastenfirmen – glattzustellen. Wie nicht anders zu erwarten, verstrich dieser Termin, und jetzt zählt die Ukraine die Verluste. Offiziell ist von etwa 150 Milliarden Griwna (fünf Milliarden Euro) die Rede, nicht unmittelbar involvierte Banker machen aber weit höhere Kostenrechnungen auf: Bis zu 200 Milliarden Griwna sollen es Schätzungen zufolge sein. Würde die Bank Kolomojskijs einfach in die Liquidation geschickt, käme auf die Ukraine darüber hinaus noch die Rückzahlung von demnächst fälligen Euro-Bonds der Privatbank in Höhe von knapp 400 Millionen Euro zu. Wäre die Bank in Konkurs gegangen, hätten die Investoren dieser Anleihen das Nachsehen gehabt. Es hätte aber auf dem internationalen Kapitalmarkt, von dem die Ukraine abhängig ist, einen schlechten Eindruck gemacht.

    Als erstes verfiel die Nationalbank Anfang dieser Woche auf die naheliegende Idee, für die Schulden der ehemaligen Eigner deren inländisches Vermögen heranzuziehen: Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Daraus lassen sich aber nach Meinung von Marktbeobachtern unter günstigsten Bedingungen nur rund 15 Prozent der Forderungen begleichen, und das nicht kurzfristig. Abgesehen davon, drehte Kolomojskij zuletzt den Spieß um und verklagte den Staat auf Rücknahme der Nationalisierung. Gleichzeitig zog er seine eigene Bürgschaftserklärung vom Dezember zurück und verlangte eine Fristverlängerung für die Rückzahlung der Verbindlichkeiten. Festnehmen könnte ihn die ukrainische Justiz kaum, denn Kolomojskij hält sich seit der Nationalisierung kaum noch in der Ukraine auf. Zudem besitzt er neben dem ukrainischen noch einen zypriotischen und einen israelischen Pass. Israel liefert eigene Staatsbürger grundsätzlich nicht aus. Insofern sind die Durchsuchungen, die die ukrainische Staatsanwaltschaft jetzt, nach dem Platzen der Blase, in den Geschäftsräumen der Privatbank vornimmt, eine Aktion fürs breite Publikum; was auch immer die Beamten finden, es dürfte ihnen praktisch wenig helfen, an Kolomojskijs Geld oder wenigstens ihn selbst zu kommen.

    Kolomojskij leistet sich dieses Spiel auf Zeit wegen der politischen Dimension des Skandals.

    https://www.jungewelt.de/artikel/313894.die-blase-platzt.html

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